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- Impressionen und Geschichte -
Feuer und Wasser
Ein Sprichwort besagt: „Feuer und Wasser sind zwei gute Diener, aber schlimme Herren."
Hinter dieser Einsicht steckt die Erfahrung von Jahrtausenden.
 Schon auf ägyptischen Reliefs sieht man, wie Löschgefäße von Hand zu Hand gehen - aber auch, wie Menschen Dämme gegen Fluten bauen. Fast jede antike Stadt ist einmal bis auf die Grundmauern abgebrannt. Im alten Rom sollte eine Sklavenfeuerwehr, sie zählte 600 Mann, derlei verhindern. Nun, man hätte besser Nero verhindern sollen...In unseren Breiten mußten im Mittelalter Zünfte und Innungen gegen „Wasser- und Feuersnot" Vorsorge treffen. Später wurden die Schultheißen zur Organisation von Brandverhinderungsmaßnahmen verpflichtet. Gemeindliche Angestellte,Türmer oder Nachtwächter, sollten Brandherde erkennen und die Bürger alarmieren. „Feurio!" hallte es dann durch die Straßen.Pflichtfeuerwehren waren gang und gäbe. Es gab sie in ländlichen Gebieten bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts. In den Großstädten wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts Berufsfeuerwehren gebildet, die erste 1851 in Berlin. Es hat sich viel verändert im Feuerwehrwesen. In mehrfacher Hinsicht.Das alte Wissen - wenn man dem Feuer dadurch die Luft abschneidet, daß man es mit Wasser zudeckt, ist es gelöscht -hielt den Herausforderungen der Neuzeit nicht mehr ausschließlich stand.Der wissenschaftlich-industrielle Fortschritt produzierte immer mehr Stoffe und Materialien, denen man, wenn sie in Brand gerieten, mit Wasser nicht mehr beikommen konnte.Denn alles, was sich mit Wasser nicht mischt, läßt sich durch Wasser nicht löschen. Benzin zum Beispiel oder Fettschmelzen.
Also ist es bei der modernen Brandbekämpfung wie in der Homöopathie: Gleiches gegen Gleiches, Chemie gegen Chemie. Und da die chemischen Löschmittel eine entsprechende Technologie benötigen, sind Feuerwehrleute, die auf der Höhe der Zeit sind, hochspezialisierte chemotechnische Praktiker; und wenn sie ihre Kompetenz auf hohem Niveau wahren möchten, müssen sie viel Zeit investieren in theoretische und praktische Übungen. Auch das Beherrschen moderner Kommunikationsmittel gehört zum notwendigen Repertoire der Feuerwehren.Aber nicht nur Mittel und Instrumentarien haben sich verändert. Feuerwehren übernehmen zunehmend Aufgaben, die erheblich über die traditionelle Brandbekämpfung hinausgehen: Rettungs-, Bergungs- und Sicherungsaufgabenbei Verkehrsunfällen, Zugunglücken, Windbrüchen, Gasexplosionen, bei Öl- und Benzinausflüssen auf Straßen oder Gewässern.Eigentlich: die ganze Palette moderner Gefährdungen. Und da mancherorts Feuerwehren auch zur Suizidverhütung gerufen werden, gibt es bei den Wehren immer mehr notfallseelsorgerisch Ausgebildete. Die Freiwillige Feuerwehr Gemünden trägt dieser Entwicklung Rechnung. In den ersten Jahren und Jahrzehnten ihres Bestehens ging die feuerwehrtechnische Entwicklung eher schleppend voran, aber danach fast explosionsartig. Eine neue technikgewohnte Generation fordert Material-Modernität ein, technische Präzision, hohe Funktionalität. Sie ist zudem bereit, die ständige Überprüfung all dessen mit einen Stück Lebenszeit zu bezahlen. Und sie führt Kinder und Jugendliche schrittweise an das faszinierende, aber auch fordernde moderne Feuerwehrwesen heran. Daneben gibt es freilich noch das Herkömmliche. Gemünden war und ist nicht sonderlich brandanfällig; öfter bereiteten die Bäche Sorgen. Und gegen Hochwasser halfen meistens nur wackere Handarbeit und der gute alte Sandsack.

Es ist wohltuend zu wissen, daß die Gemündener Freiwillige Feuerwehr in beidem zuverlässig ist: im Zupacken und im Handhaben rettender Technologie.
Kameradschaft
Berufsfeuerwehrleute sprechen sich im allgemeinen als „Kollegen" an, die Freiwilligen Feuerwehrleute als „Kameraden".

Kamerad kommt von italienischen camarata und meint eigentlich einen Stubengenossen, einen, mit dem man den Lebensraum teilt. Das muß einer sein, dem man vertrauen kann, auf den man sich verlassen kann. Und man muß auf das Zusammenleben mit ihm eingespielt sein, damit Abläufe und Routineverrichtungen funktionieren, damit nicht einer über den andern stolpert. Sll das muß man von Feuerwehrkameraden erwarten können, muß sich bei Einsätzen aufeinander verlassen können und einander nicht im Wege stehen. Daher braucht man bei der Freiwilligen Feuerwehr nicht nur eine möglichst gute technische Kompetenz, sondern auch eine soziale. Der Kameradschaft dient, was das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Gemeinschaftserleben stärkt. Die Freiwillige Feuerwehr Gemünden zeichnet sich - neben technischer und Ablaufversiertheit - durch großen Einfallsreichtum in Sachen Geselligkeit und Gemeinsinn aus. In der ersten Mitgliederversammlung nach dem Krieg wurde beschlossen, daß künftig jeder Feuerwehrmann zur Vermählung ein Geschenk bekommen solle. In der zweiten Mitgliederversammlung nach dem Krieg entwarf man bereits einen Veranstaltungskalender mit Maskenball und Rheinfahrt; Kameradschaftsabende und Tanzveranstaltungen (üblicherweise am 1. Weihnachtstag!) folgten. Und je mehr die Mitgliederzahl wuchs und die öffentliche Wahrnehmung, desto öfter kamen zu den eher nach innen gerichteten Gemeinschaftsveranstaltungen offene, aufs ganze Dorf hin ausgerichtete: Tage der offenen Tür, Bachfeste, Osterfeuer, Weihnachtsbaumaufrichtungen, gemeinsame Veranstaltungen mit anderen Dorfvereinen (in der Frühzeit vor allem mit dem Gesangverein Arion, später mit allen im Vereinsring zusammengeschlossenen Gruppen und nach dessen Dahinscheiden mit den verbliebenen: den Landfrauen und dem Schützenverein) und anderen Veranstaltern (etwa beim Weiltalmarathon, beim Weilroder Gewerbemarkt oder bei den Gemündener Hofkonzerten; auch mit dem Hilfsverein Usinger Land gibt es regelmäßige Aktivitäten). Bemerkenswert zudem: die Veranstaltungen für die Feuerwehrsenioren und die Jugendfeuerwehr.

Die Freiwillige Feuerwehr Gemünden bringt Junge und Alte zusammen, dient so dem Generationenfrieden und sie integriert Mädchen und Frauen in den Feuerwehralltag, dient so der Geschlechtergerechtigkeit. Schließlich betätigt sich die Gemündener Feuerwehr auch schul- und vorschulpädagogisch: in der Brandschutzerziehung in Grundschule und Kindergarten. Die Sozialstruktur der Freiwilligen Feuerwehr Gemünden bewährte sich, als 1993 die Monopolstellung der Brandversicherung entfiel; besagtes Monopol hatte den Gemeinden erhebliche Mittel für ihre Feuerwehren gesichert. Fortan mußten Feuerwehrmitglieder sich entweder zu mehr Eigeninitiative und Selbsthilfe entschließen - oder Stagnation würde eintreten. Die Gemündener Feuerwehr wurde initiativ, vor allem im Blick auf die innere und äußere Gestaltung der Feuerwehrstation im Dorfgemeinschaftshaus; alle Weilroder Wehren profitieren etwa von der dortigen Atemschutzwerkstatt (seit 1994) und anderen Funktionsräumen. Und wenn die öffentlichen Mittel für notwendige Neuerungen nicht reichten, dann zahlte die Feuerwehrvereinskasse selbst, bezuschußte z.B. mit 15.000 DM die Anschaffung eines neuen Einsatzwagens; sie trägt die Kosten für die Einsatzbekleidung, auch die der Jugendfeuerwehr, bezahlte Rettungsschere und Spreizer und das zum Betrieb notwendige Hydraulikaggregat und sie finanziert aktuell den Anbau an das Gerätehaus und den Neubau einer Garage mit. Wie gesagt: ein Kamerad ist eigentlich ein Stubengenosse. Daß Gemünden eine „gut Stubb" ist und bleibt, ist vor allem auch Verdienst der Freiwilligen Feuerwehr.
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